Auswechseln der Straßenschilder am Krankenhaus, Ecke Kapfenburgstraße und Stuttgarter Straße

Wie kam Feuerbach zu seinen heutigen Straßennamen?

Durch die zwangsweise Eingemeindung 1933 gab es in Stuttgart und in Feuerbach häufig die gleichen Straßennamen, was zu Verwechslungen führte. Daß die Stuttgarter Straßennamen blieben, die Feuerbacher jedoch ausgewechselt werden mußten, war wohl selbstverständlich!
Bereits am 6. April 1933, also noch vor der offiziellen Eingemeindung, stellte die Ortsgruppe Feuerbach der NSDAP „den Auftag auf Umbenennung von Straßen, um dadurch, wie in anderen Städten auch, nach außen die nationale Umwälzung zu dokumentieren."
Der Staatskommissar für die Verwaltung der Stadt Feuerbach Rechnungsrat Karl Bühler aus Stuttgart (Wilhelm Geiger, Oberbürgermeister der Stadt Feuerbach, war immerhin noch im Amt!) hatte, natürlich ohne Gemeinderat, „als äußeres Zeichen der Dankbarkeit" nachstehende Straßenumbenennungen verfügt:
„Die Weil im Dorfer Straße auf Feuerbacher Markung und die Feuerbacher Straße auf Markung Weil im Dorf führen als einheitlicher Straßenzug künftig die Bezeichnung Hindenburgstraße, die Stuttgarter Straße in Feuerbach heißt künftig Adolf-Hitler-Straße, und die Rosenstraße in Feuerbach Wilhelm-Murr-Straße nach dem damaligen Gauleiter und Reichsstatthalter von Württemberg-Hohenzollern".
Alle drei Straßen erhielten allerdings 1945 wieder ihre alten Bezeichnungen, ausgenommen die frühere Rosenstraße, die seitdem ebenfalls Stuttgarter Straße heißt.
Aus Anlaß des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde die letzte Straßennamenänderung durchgeführt, so daß es im gesamten Stuttgart nur noch einmal diesen Straßennamen gab. Folgende Straßen wurden in Feuerbach geändert:

frühere Bezeichnung

heutige Bezeichnung

Alexanderstraße

Halleiner Straße

Bahnhofstraße

Kremser Straße

Bismarckstraße

Wiener Straße

Botnanger Straße

Ostmarkstraße (seit 1945 Feuerbacher Talstraße)

Breitestraße

Bregenzer Straße

Eberhardstraße

Steiermärker Straße

Eychstraße

Burgenlandstraße

Gutenbergstraße

Dornbirner Straße

Jahnstraße

Villacher Straße

Karlstraße

Grazer Straße

Kirchhofstraße

Linzer Straße

Leonberger Straße

Salzburger Straße

Ludwigstraße

St. Pöltener Straße

Marienstraße

Eisenstätter Straße

Marktstraße

Klagenfurter Straße

Metzstraße

Bludenzer Straße

Moltkestraße

Kärntner Straße

Poststraße

Pöchlarner Straße

Sedanstraße

Leobener Straße

In diesem Zusammenhang ist immerhin interessant, daß bei diesen Umbenennungen auch Erinnerungen an bedeutende Feuerbacher Persönlichkeiten bzw. Familien Berücksichtigung fanden:

frühere Bezeichnung

heutige Bezeichnung

Adlerstraße

Helmstettstraße
nach den Freiherren von Helmstett, im 15. Jahrhundert Mitbesitzer der Burg Frauenberg

Bachstraße

Dieterlestraße
nach Christian Friedrich Dieterle (1860-1900), Schultheiß von Feuerbach

Kelterstraße

Haffnerstraße
nach der Familie Haffner, die häufig öffentliche Ämter in Feuerbach bekleideten

Haldenstraße

Happoldstraße
nach August Happold (1846-1922), Fabrikant, 1908 Ehrenbürger in Feuerbach

Karlsplatz

Wilhelm-Geiger-Platz
nach Wilhelm Geiger (1869-1940), 1901 Schultheiß, ab 1907 Stadtschultheiß und von 1923 bis 1933 Oberbürgermeister von Feuerbach. Es konnte nicht ermittelt werden, warum die NS-Machthaber den von ihnen aus dem Amt gejagten Geiger nach seinem Tode (1940) geehrt haben. Eine Geste der Versöhnung mit der Zwangseingemeindung? (Platzumbenennung 1940)

Kirchstraße

Walterstraße
nach dem ersten, urkundlich nachweisbaren Feuerbacher Pfarrer, der 1281 hier im Amt war

Schloßbergstraße

Burgherrenstraße
benannt nach den Burgherren der Frauenburg

Paulinenstraße

Kalleestraße
nach Richard Kallee (1854-1933), Pfarrer und Heimatforscher, Begründer des ehem. Heimatmuseums

Pragstraße

Oswald-Hesse-Straße
nach Dr. Oswald Hesse (1835-1917), Direktor der Firma Jobst, Verfasser der Geschichte von Feuerbach, 1909 Ehrenbürger

Schmale Straße

Hartmannstraße
nach Johann Friedrich Hartmann (1715-1785) Schultheiß von Feuerbach

Schreinerstraße

Elsenhansstraße
nach Johannes Elsenhans (1777-1841), Schultheiß von Feuerbach, einer seiner Söhne, Ernst Elsenhans, war führend beteiligt am Badischen Aufstand 1849 und wurde von preußischen Soldaten standgerichtlich erschossen

Schulstraße

Sartoriusstraße
nach M. Johann Sartor, dritter Pfarrer nach der Reformation (1556-1585)

Uhlandstraße

Fahrionstraße
nach Ludwig Fahrion (1860-1921) und Adolf Fahrion (1865-1937), Werkmeister und Feuerwehrkommandanten


Oberbürgermeister Wilhelm Geiger

Oberbürgermeister Wilhelm Geiger

Ein Glücksfall für Feuerbach
Man schrieb das Jahr 1893, als ein junger Beamter des mittleren Verwaltungsdienstes namens Wilhelm Geiger, geb. am 22. 2. 1869 in Merklingen bei Weilderstadt, als Assistent des damaligen Schultheißen Dieterle in die Gemeinde Feuerbach eintrat. Schon nach 1 Jahr wurde er Ratschreiber und später noch Standesbeamter. Nach Erkrankung des Ortsvorstehers war er in den folgenden Jahren als Amtsverweser tätig. In selbstloser Ausnützung seiner besonderen Veranlagung hat er mit sicherem Blick frühzeitig die Entwicklung des Gemeinwesens vorausgesehen und all die Maßnahmen getroffen, die nötig waren, um der rapiden Entwicklung Feuerbachs die Wege zu weisen und zu ebnen. Nach dem frühen Tode von Dieterle wurde er am 22. Dez. 1900 in seltener Einmütigkeit vom Amtsoberhaupt als Schultheiß eingesetzt. Am 1. Feb. 1901 hat er dann sein neues Amt angetreten. Als Feuerbach im Jahre 1907 zur Stadt erhoben wurde, trug er den Titel „Stadtschultheiß". Im Jahre 1923 wurde ihm als persönliche Ehrung der Titel „Oberbürgermeister" verliehen.
Bei seinem 25-jährigen Jubiläum als Amtsvorstand am 31. Januar 1926 wurde er von der gesamten Feuerbacher Bevölkerung geehrt. Die Vereine sammelten sich bei der alten Turnhalle an der Bachstraße zu einem Fackelzug. Die Straßen durch welche der Zug passieren sollte, waren von dichten Menschenmassen umsäumt, der Karlsplatz, der Ort der geplanten Feier, war von einer riesigen Menschenmenge erfüllt. Nach 1/2 8 Uhr erschien der Fackelzug auf dem Karlsplatz und defilierte an dem Jubilar, der in der Nähe des Brunnens mit dem Gemeindekollegium Aufstellung genommen hatte, vorbei.
Bald darauf klang unter Stabführung von O. R. Hegele Mozarts ewig schöne „O Schutzgeist alles Schönen" gesungen von sämtlichen Feuerbacher Gesangvereinen über den weiten Platz. Namens der Vereine ergriff Stadtdirektor Benz das Wort zu einer Ansprache an den Jubilar, worin er u. a. ausführte, „Hochverehrter Herr Oberbürgermeister, wenn es Ihnen gelungen ist, in der Kriegs- und Nachkriegszeit die bitterste Not und Bedrängnis von der Bevölkerung fernzuhalten, wenn es gelungen ist aus dem einfachen Weingärtner- und Steinbrecherdorf eine blühende Industriestadt zu schaffen, deren Namen in allen Erdteilen mit Ehrfurcht und Stolz genannt wird, so freuen wir uns dessen und danken Ihnen herzlichst.
Hier, Herr Oberbürgermeister, haben Sie den schlagenden Beweis für die Liebe und Verehrung, die Ihnen die Feuerbacher Bevölkerung entgegenbringt. Hier stehen die stolzen Sängerscharen, unsere Freunde vom Musikverein, unsere Turner, Sportler, Radfahrer, Arbeiter-Samariter und unsere stolze wackere Feuerwehr. Das grundechte Bürgervolk. Ich habe die Ehre Herr Oberbürgermeister, im Namen dieses stolzen Feuerbacher Volkes Ihnen zum heutigen Tag den unauslöschlichen Dank auszusprechen für das, was Sie für unser Feuerbach getan haben. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre frisch und geistig gesund Ihr schweres verantwortungsvolles Amt zum Wohle und Genesen auszuüben. Unsere Gefühle und Wünsche fassen wir zusammen in dem Rufe: Unser hochverehrter, allseits beliebter Herr Oberbürgermeister lebe hoch, hoch, hoch!" Freudig stimmte die Menge ein und die Musik blies einen kräftigen Tusch. OB Geiger bedankte sich und ein strammer Marsch der Musikkapellen (Musikverein und Flügelrad Stuttgart) brandete die imposante, machtvolle Kundgebung.
Am Nachmittag des 1. Februar 1926 versammelte sich das Gemeindekollegium, die städtische Beamten- und Angestelltenschaft und eine große Zahl getreuer Gäste, im festlich geschmückten großen Sitzungssaal des Rathauses zu einer Festsitzung. In einer Fülle von Ansprachen kam die Liebe, Verehrung und Hochachtung zu Ausdruck deren sich der Jubilar in allen Kreisen erfreuen durfte.
In trefflicher Weise würdigte Bürgermeister Paulus die großen Verdienste, die sich OB Geiger um das hiesige Gemeinwesen erworben hat und gab zugleich ein ausgezeichnetes Lebens- und Charakterbild des Jubilars. Er führte u. a. aus, nachdem er die Gäste begrüßt hatte, daß der Gemeinderat der Stadt Feuerbach mit Freuden die Gelegenheit ergriffen habe, den Jubilar in gebührender Weise zu ehren.
Der Redner gab in groben Zügen einen Überblick über das Geschehen in den letzten 25 Jahren. Groß sind die äußeren Veränderungen, die Feuerbach in diesem Zeitraum erfahren hat. Das frühere ländliche Gemeinwesen hat städt. Charakter angenommen, der früher offenfließende Feuerbach ist überwölbt, eine Reihe neuer Stadtteile ist entstanden, wohlgepflegte Straßen, deren Länge von 8 km auf 38 km angewachsen ist, durchziehen die Stadt, öffentliche Anlagen verschönern das Stadtbild. Groß ist die Zahl der neuentstandenen Wohn- und Fabrikgebäude, sowie der öffentlichen Bauten. Die Zahl der Gebäude ist von 1470 auf 2800 gestiegen. Die Seelenzahl erhöhte sich von 9.000 auf 18.000. Aus dem stillen Weingärtnerdorf ist eine Fabrikstadt geworden, die 18.000 von hier und auswärts kommende Arbeitern und Angestellten Arbeit und Verdienst gibt. In der Gemeindeverwaltung war der Stadtvorstand bestrebt, eine gesunde Bodenpolitik mit möglichster Fernhaltung der Spekulation durchzuführen, mit Bereitstellung von Gelände für Industrie zu mäßigen Preisen. Überhaupt Schaffung aller Vorbedingungen für die Möglichkeit einer konkurrenzfähigen Betriebsführung und weitestgehende Fürsorge für die verschiedenartigen Bedürfnisse aller Einwohnerkreise, das waren die Wege, die einerseits zur Gewinnung tüchtiger Steuerkräfte führten und die Stadt vor dem Schicksal ausgesprochener Arbeiterwohngemeinden bewahrten und die andererseits dazu beitrugen, das Wohlergehen der Gemeindeglieder zu fördern.
Im Einzelnen erfuhr die Wasserversorgung mannigfache Änderungen. Ihre Leitungslänge stieg von 14 km im Jahre 1900 auf 35 km im Jahre 1925 und der Wasserverbrauch von rund 400.000 auf 1.900.000 cbm.
Der Gasverbrauch steigerte sich von 388.000 auf 2.700.000 cbm, die Leitungslänge von 9 auf 30 km. Der Verbrauch an elektrischem Strom bezifferte sich 1925 auf 10.5 Mill. Kilowatt. Die Industriegleis-Anlage, 1907 geschaffen, hat nun eine Länge von mehr als 6 km und es werden auf ihr jährlich 16.000 Wagen befördert. Die Zahl der Anschlüße beträgt 47 mit weiteren 13 km Länge. Die Kanalisierung hat wesentliche Fortschritte gemacht, die Länge der Kanäle ist von 8 auf 28 km gestiegen. Auch der Feuerschutz und das Ortsstraßennetz haben mit der Entwicklung der Stadt gleichen Schritt gehalten. Zwischen hier und Stuttgart bzw. Cannstatt wurde 1909 eine Straßenbahn-Verbindung geschaffen. Bezüglich des Schulwesens wurde geradezu vorbildliches geschaffen. Hervorragend ist die umfassende Fürsorge der Stadtverwaltung für mancherlei Nöte und Bedürfnisse in den verschiedenen Verhältnissen und Lebenslagen.
Die Gründung des städt. Wohlfahrtsamts ist das ureigenste Werk des Jubilars, mit dem er sich ein bleibendes Denkmal im Herzen seiner Mitbürger gesichert hat. Der Redner erwähnte dann noch die Verdienste des Jubilars um die Lebensmittel-Versorgung der Stadt während der Kriegs- und Nachkriegszeit und die Behebung der Wohnungsnot, Errichtung des städt. Krankenhauses, der städt. Sparkasse und der Förderung des Vereinswesens, um dann fortzufahren: Meine Damen und Herren! Daß dieses Aufblühen nur möglich war unter einer weitschauenden, zielbewußten und tatkräftigen Initiative, liegt auf der Hand, und so haben wir allen Anlaß, dem Leiter der Geschicke unserer Stadt in den letzten 25 Jahren heute den wohlverdienten Dank darzubringen und ihm dadurch auch den Mut und die Freudigkeit zu stärken für die Weiterverfolgung der anhängigen Projekte, vor allem für eine glückliche Lösung der derzeit schwebenden, für unsere über ihre Grenzen hinausstartende Stadt den Anbruch einer neuen Ära kündenden großen Probleme. Getragen von diesem Gedanken hat der Gemeinderat beschlossen, den Jubilar durch die Veranstaltung der heutigen Feier, verbunden mit der Überreichung eines Ehrengeschenkes und durch folgende Beschlüsse zu ehren:
Auswerfung eines Betrags von 15.000 RM, davon 2/3 zur sofortigen Verteilung an bedürftige Einwohner und 1/3 als Grundstock für eine Wilhelm-Geiger-Stiftung mit der Bestimmung, daß das nähere Verfügungsrecht dem Jubilar zusteht. Weiter die Benennung der im Ortsplan auf der Höhe über den Burghalden vorgesehenen bisherigen Landhausstraße von der Wartbergstraße bis zum Stuttgarter-Weg nach dem Namen des Jubilars als Wilhelm-Geiger-Straße. Unsere herzlichsten Glückwünsche begleiten unsern hochverehrten Jubilar. Möge ihm noch recht viel schöne und frohe Lebenstage im Kreise seiner Lieben beschieden sein und möge es ihm mit Gottes Hilfe vergönnt sein, noch recht lange in voller Gesundheit und in körperlich und geistiger Frische seines Amtes zu walten, zu seiner eigenen Freude und zum Wohl unserer geliebten Stadt Feuerbach.
Viele weitere Reden schlossen sich den Worten von Bürgermeister Paulus an und OB Geiger dankte in schlichten Worten für die ihm gewordene Ehrung, ganz besonders der Bürgerschaft für das ihm während seiner Amtsführung entgegengebrachte Vertrauen und dem Gemeinderat für die Unterstützung und hohe Anerkennung, die ihm gezollt wurde.
Anschließend fand im Stahlschen Saal ein gemütliches Beisammensein statt, wo der Jubilar ebenfalls in ernsten und heiteren Ansprachen gefeiert wurde.
OB Geiger konnte noch weitere 7 Jahre erfolgreich die Geschicke Stadt Feuerbach führen, bis er im Jahre 1933, nach der Eingemeindung nach Stuttgart, gezwungen wurde, zurückzutreten. Er wird aber in der Geschichte von Feuerbach ewig in guter Erinnerung bleiben.

Karl Müller

Quelle: Stadtarchiv Stuttgart


Feierlichkeiten zur Eingemeidung in der Festhalle am 1. Mai 1933


1. Mai-Umzug ca. 1936 Grazer Straße

Eingemeindung nach Stuttgart

Das Jahr 1933 war nicht nur ein Schicksalsjahr für Deutschland und für Europa.
Aus der selbständigen Stadtgemeinde Feuerbach im Oberamt Stuttgart wurde 1933 Stuttgart-Feuerbach und 1983 postalisch Stuttgart 30.
Nach 1933 hatte Feuerbach auch keinen Gemeinderat mehr und verfügte auch erst in den 60er Jahren wieder über einen Bezirksbeirat, welcher allerdings nur beratende Funktion hat und nicht von den Wählern direkt gewählt wird.
Nach der Eingemeindung 1933 gab es in Feuerbach keinen Oberbürgermeister mehr, sondern einen Bürgermeister; nach 1945 einen Bezirksbürgermeister und danach einen vom Stuttgarter Gemeinderat bestellten beamteten Bezirksvorsteher.
Was war geschehen? Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Was dies für Folgen in Feuerbach hatte, erfahren wir aus der Chronik des Oberlehrers Rudolf Hartmann.
In vorauseilendem Gehorsam hatte die württembergische Regierung bereits am 27.02.1933 die Restauflage der „Feuerbacher Zeitung" beschlagnahmen lassen, weil sie über eine antifaschistische Kundgebung berichtete. „Rechtsgrundlage" war vermutlich die Notverordnung zum Schutz von Volk und Reich, von Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler unterschrieben, die nach dem Brand des Reichstagsgebäudes die meisten Grundrechte aufhob.
Vom 2. - 8. März 1933 wurde die Feuerbacher Zeitung erneut verboten; trotzdem konnte sie bereits am 6. März wieder erscheinen, um die glänzenden Wahlergebnisse zu veröffentlichen.
Herausgeber und Redaktion waren jetzt genügend eingeschüchtert. Die Reichsregierung übernahm in verfassungwidriger Weise in rascher Folge die Hoheitsaufgaben des Landes:
Am 8. März 1933 wurde der SA-Führer Dietrich von Jagow Polizeikommissar in Stuttgart. Auch in Feuerbach kehrte Ruhe ein. Anstelle der häufigen Demonstrationen des Antifaschistischen Kampfbundes, der Eisernen Front und der Jungen Garde (Kommunisten) traten Polizisten, begleitet von SA und SS auf. Führenden Gegner wurden verhaftet und in eine KZ gebracht.
Am 9. März 1933 wurde auf dem Rathaus, dem Sammelgebäude, und auf der Post die Hakenkreuzfahne gehißt; SA-Posten standen am Rathaus Wache.
Wilhelm Braun, Antifaschist und aktives Mitglied des Turnerbundes rief, „Pfui". Diese Bemerkung trug ihm eine erste Verhaftung für mehrer Wochen ein, was nicht seine letzte sein sollte.
So wie in ganz Deutschland, wurden auch in Feuerbach alle Parteien, außer der NSDAP, verboten. Die Vereine wurden entweder aufgelöst oder ihre Führung wurde ohne Wahl durch willfährige NSDAP-Leute oder zumindest durch Mitläufer ersetzt. Dies galt auch für christliche Vereine, wie den CVJM, der bis 1934 der größte Verein für die männliche Jugend Feuerbachs war. Am 1. Mai 1933 maschierte er, wie alle anderen, zur Feier der Eingemeindung vor der Festhalle auf. Am 20. April 1934 (Adolf Hitlers Geburtstag) wurde er durch Vereinbarung der Reichsleitung des CVJM in die Hitlerjugend eingegliedert. Die Hitlerjugend, die in Feuerbach bisher kaum eine Rolle gespielt hatte, war jetzt der einzige Jugendverband. Nach Aussage eines Teilnehmers bestand sie zunächst aus 85 % ehemaligen CVJM'lern. Auch der damalige 1. Vorsitzende des CVJM, Karl Domhan, trat zur Hitlerjugend über; nur einige machten nicht mit. Anstelle im „Säle" in der Jägerstraße (heute Blumhardt-Saal), traf man sich in der Kelter. Es gab weiterhin Geländespiele und Zeltlager, nur das Gebet am Anfang und Ende der Treffen wurde weggelassen, wie der Zeuge feststellte. Feuerbach war gleichgeschaltet wie alle Orte in Deutschland; gemeinsam maschierte man dem Abgrund entgegen. Nur wenige erkannten damals die Situation, Opposition gegen die neuen Herren war mit Lebensgefahr verbunden.
Die NSDAP-Stadträte Albert Weischedel (Schriftsetzer aus Feuerbach) und August Häffner (Gärtner aus Weil im Dorf) stellten den Antrag, die kommunistischen Stadträte auszuschließen und den Gemeinderat entsprechend den Ergebnissen der Reichstagswahlen neu zusammenzusetzen (Gleichschaltung).
Am 23. März 1933 wurde das Ermächtigunggesetz vom Reichstag in Berlin angenommen. Hitler hatte auch dort die KPD ausgeschlossen und die bürgerlichen Parteien eingeschüchtert. Nur die SPD wagte es, dagegen zu stimmen. Es gab kein Verfassungsgericht, das den Verfassungsbruch hätte aufhalten können, aber es gab auch keinen Generalstreik (bei 6 Millionen Arbeitslosen schwer zu organisieren).
Durch das Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 31. März 1933 wurden die Gemeinderäte aufgelöst. Sie konnten infolgedessen keine rechtswirksamen Beschlüsse mehr fassen.
Durch den Staatskommisar für die Körperschaftsverwaltung Landrat Dr. Ludwig Battenberg, wurde in Feuerbach Oberbürgermeister Wilhelm Geiger mit 64 Jahren am 31.03.1933 „aus gesundheitlichen Gründen" zum Rücktritt gezwungen. Er verabschiedete sich am 30.04.1933 ohne Kommentar von seinen Mitarbeitern. Bereits schon am 03.04.1933 wurde ihm ein Staatskommisar übergeordnet, der ohne Wahl alle Funktionen des Oberbürgermeisters und des Gemeinderates übernahm. Staatskommisar Karl Bühler konnte frei schalten und walten, er war nur dem Reichsstatthalter und - nach der Verjagung und Amtsenthebung des gewählten Staatspräsidenten Eugen Bolz in Stuttgart - dem „Staatspräsidenten" Wilhelm Murr (NSDAP) unterstellt. Eine Wahl oder eine Kontrolle durch gewählte Gremien gab es nicht mehr.
Der Feuerbacher Zeitung gegenüber äußerte sich Staatskommisar Karl Bühler in folgender Weise:
„Die Aufgabe, die meiner hier harrt, ist sehr groß. Es gilt vor allem in der Gemeindeverwaltung, die angesichts der Finanzlage der Stadt notwendigen Vereinfachungen und Sparmaßnahmen durchzuführen. Dabei leitet mich dasselbe Bestreben, nichts zu überstürzen, sondern alles vorher reiflich zu überlegen; aber wenn ich einmal etwas für recht befunden habe, dann werde ich auch rücksichtslos durchgreifen."
Diesen Vorsatz setzte er sofort in die Tat um:
Am 5. April 1933 wurde der Feuerbacher Gemeinderat aufgelöst. Alle Befugnisse gingen auf den Staatskommisar über.
Am Donnerstag, den 13. April 1933 meldete die Feuerbacher Zeitung in einem Extrablatt, daß Verhandlungen über die Eingemeindung Feuerbachs mit Stuttgart stattfinden.
Am 6. April 1933 wurden wichtige Straßen in Feuerbach nach Hitler und Murr umbenannt; der Verwaltungsrat der Städtischen Sparkasse wurde mit NS-Mitgliedern oder Mitläufern neu besetzt.
Am 20. April 1933 wurde die Städtische Volksbücherei von sämtlichen Büchern kommunistischer und marxistischer Tendenzen gesäubert. Die ausscheidenden Bücher wurden für wissenschaftliche Zwecke besonders aufbewahrt.
Am 20. April 1933, anläßlich Hitlers Geburtstag, wurde auf der Schillerhöhe, vor dem heutigen Killesbergeingang in Feuerbach, eine Adolf-Hitler-Eiche gepflanzt, die aber bereits am 5./6. Mai von Gegnern des „Dritten Reichs" wieder ausgerissen wurde. Eine Neupflanzung erfolgte dann wieder am 14. Mai 1933.
Die städtischen Verwaltungen des Gaswerks, des Wasserwerks, des Elektrizitätswerks und der Straßenbahn wurden zu einer Verwaltung der städtischen Betriebswerke zusammengelegt und Stuttgart unterstellt.
Vom 12. April 1933 an handelte Staatskommisar Karl Bühler mit dem, für Stuttgart eingesetzten, Staatskommisar Karl Strölin (NSDAP) die Eingemeindung Feuerbachs nach Stuttgart aus. Diese Verhandlungen waren eine reine Farce, weil weder Bühler noch Strölin in irgendeiner Weise dazu legitimiert waren. Beide waren ohne Wahl einesetzt worden und handelten nach Weisung ihres gemeinsamen Herrn, des Reichsstatthalters und inzwischen bestellten „Staatspräsidenten" Wilhelm Murr (NSDAP).
Ob die Eingemeidung sinnvoll war oder nicht, ist zweitrangig. Feuerbach war natürlich eine typische Randgemeinde, die von der Anziehungskraft der Hauptstadt profitierte, so wie nach dem 2. Weltkrieg Städte und Gemeinden, wie Böblingen, Sindelfingen, Ditzingen, Leonberg, Fellbach oder die Fildergemeinden.
Spätestens seit der Eingemeindung Zuffenhausens nach Stuttgart (im Jahre 1931) und nicht nach Feuerbach, war unsere Stadt auf zwei Seiten von Stuttgart umklammert. Dies war wohl auch der Grund, warum 1945 die eventuelle Chance der Rückgängigmachung des Unrechts von keinem namhaften Feuerbacher ergriffen wurde. Unrecht wurde also zu Recht, wie so häufig in der Geschichte!
Aber nicht nur die Verhandlungen zwischen Stuttgart und Feuerbach waren eine Farce; auch die Begründung war eine Unverschämtheit. Erhöhung der Umlagen und der Steuern wären unumgänglich gewesen. Der Stadtgemeinde hätten 1,5 Millionen Reichsmark (RM) gefehlt, Feuerbach schulde der Oberamtspflege 900.000,&endash; RM und dem Staat Württemberg 350.000,&endash; RM, eine Erhöhung der Umlage scheide aus, da sonst die Industrie abwandere.
Wer auch nur einen oberflächlichen Blick in die Statistiken bis 1933 wirft, der kann rasch feststellen, daß Feuerbach innerhalb Württembergs die wohlhabendste Stadt im Lande war: Das Feuerbach der 20er Jahre entsprach dem Sindelfingen der 80er Jahre!
Der sogenannte Eingemeindungsvertrag wurde bereits am 20. April 1933, also nach nur einwöchigen Verhandlungen, von Strölin und Bühler unterzeichnet, natürlich ohne Zustimmung der Gemeinderäte - die waren bereits abgeschafft - und ohne Zustimmung der Bürger.
In Stuttgart war der langjährige Oberbürgermeister Dr. Carl Lautenschlager (1911 - 1933 im Amt) am 15. Mai 1933 mit Erreichen des 65. Lebensjahres aus dem Amt geschieden. Der Gemeinderat - inzwischen ohne Wahl gleichgeschaltet - entsprechend dem Wahlergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933, wählt den bereits seit 16. März 1933 amtierenden Staatskommisar Dr. Karl Strölin (NSDAP) zum neuen Oberbürgermeister.
Strölin, der zusammen mit dem für Feuerbach zuständigen Staatskommisar Bühler den Eingemeidungsvertrag „ausgehandelt" hatte, äußerte sich am 21.4.1933 folgendermaßen:
„Man mag der Eingemeindungspolitik der Stadt Stuttgart gegenüberstehen wie man will - ich selbst habe sie im wesentlichen abgelehnt - die Eingemeindung Feuerbachs ist aber nicht nur zweckmäßig, sondern unbedingt notwendig. Der Stadtbezirk Stuttgart greift mit der Markung Zuffenhausen um die Markung Feuerbach herum. Die Verbindungsstraße zwischen Stuttgart und Zuffenhausen führt über die Markung Feuerbach. Stuttgart und Feuerbach bilden ein einheitliches Wirtschaftsgebiet. Eine Reihe wichtiger Fragen, wie die Verbesserung der Abflußverhältnisse des Feuerbachs sowie des Verkehrs werden durch die Vereinigung beider wesentlich erleichtert. Weil im Dorf, das an sich etwas abgelegen ist, eignet sich zweifellos als Siedlungsgebiet für Stuttgart. In der Eingemeindung von Feuerbach sehe ich den naturgemäß gegebenen Abschluß der großen Linie Stuttgarter Eingemeindungspolitik. Es ist ein Vertrag zustandegekommen, bei dem es keinen Sieger und keinen Besiegten gibt, ein Vertrag, der lediglich von dem Grundsatz des Gemeinnutzes der beiden Städte enthalten ist, in dem vor allem auch ein loyaler Lastenausgleich enthalten ist, ein Vertrag, der die Grundlage bilden wird für ein wahrhaft vertrauensvolles Zusammen- und Ineinanderarbeiten der beiden Gemeinden."
Durch Verfügung von Staatskommisar Bühler wurden noch vor der Eingemeidung, mit Wirkung vom 31.04.1933, 15 Beamte entlassen. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" hatte die Entlassung von Beamten möglich gemacht. Juden, Kommunisten und Gegner des „Dritten Reichs" sollten auf diese Weise ausgeschaltet werden.
Die Eingemeindung Feuerbachs wurde am 1. Mai 1933 (Feiertag der nationalen Arbeit), der damals in Deutschland als staatlicher Feiertag arbeitsfrei war, vormittags 11.00 Uhr in der Festhalle vollzogen.
In den Straßen, Gebäuden und Betrieben wurden schwarz-weiß-rote- und Hakenkreuzfahnen gehißt. Musik- und Spielmannszüge des Musikvereins und der SA und SS maschierten durch die Stadt. Von fast allen Firmen zogen Abordnungen zur Festhalle.

Quelle: Feuerbacher Geschichtsblätter Heft 7


1904: Kirbe vor dem neuen Rathaus auf dem heutigen Wilhelm-Geiger-Platz.


1909: Feuerbacher Kirbe auf der Stuttgarter Straße Ecke Feuerbacher Tal / Hohewartstraße.


Der erste Schluck nach dem Faßanstich durch den Außenminister Klaus Kinkel im Jahre 1998.

Feuerbacher Kirbe

Wann die erste Kirbe in Feuerbach stattgefunden hat, ist nicht mehr mit Sicherheit festzustellen.
Der erste Eintrag in der Chronik darüber ist aus dem Jahre 1900 zu finden. Damals fand die Kirbe noch in der oberen Stuttgarter Straße statt. Für die Standgebühren der Buden und Karussells hatte die Gemeinde 1500 Mark eingenommen.
Die Standmieten bei der Kirbe waren immer eine gute Einnahmequelle für die Gemeinde.
Im Jahre 1902 durften anläßlich der Kirbe erstmals die Feuerbacher Geschäfte am Sonntag von 11 bis 20 Uhr geöffnet haben. Die Kirbe war immer ein großer Publikumsmagnet. Schon 1904 wurden etwa 15000 Besucher geschätzt, 1905 setzte die Eisenbahnverwaltung sogar Extrazüge aus Stuttgart ein, die die zahlreichen Besucher nach Feuerbach brachten. Das Interesse an diesem Fest ließ nicht nach. Im Jahre 1909 konnten die Verkehrseinrichtungen die Zahl der Andrängenden kaum noch bewältigen. Am Sonntag kamen allein 7000 Fahrgäste aus Stuttgart mit der Eisenbahn und 15000 mit der Straßenbahn. Im Jahre 1909 musste wegen Verlegung der Straßenbahnschienen in die Stuttgarter-Straße der Markt in die Markt- (Klagenfurter), Kelter-, Mühl-, Prag- (Oswald-Hesse-Str.) und Buchstraße (Dieterlestr.) verlegt werden. Kein Karussell stand auf dem Mühlwasen. Zuckerwattestände und was sonst noch zur Kirbe gehört, fanden auf dem Karlsplatz (Wilhelm-Geiger-Platz) und in der Karlsstr. (Grazerstr.) einen neuen Platz. Wann die Kirbe auf den heutigen Festplatz, der 1912 entstand, verlegt wurde, geht aus der Chronik leider nicht hervor. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren fiel die Kirbe aus. Erst 1920 wurde sie wieder mit viel Betrieb großartig gefeiert. 1922 trugen die Wirte mit Sonderangeboten wie Metzelsuppe, Bock-, Gans- und Rehbraten sowie Spanferkel zum kulinarischen Genuß bei. Aus dieser Zeit rührt auch die Tradition her, daß die Feuerbacher Handwerker mit ihren Mitarbeitern Montag nachmittags nicht im Geschäft sondern auf der Kirbe oder den Gaststätten zu finden sind. 1928 findet man sogar eine Achterbahn auf der Kirbe, die Wirte boten Preiskegeln auf den Kegelbahnen und Kirbetanz an.
Der alljährliche Viehmarkt wurde 1931 aus Platzgründen und weil es in Feuerbach nur noch wenig Bauern gab, nach Weilimdorf verlegt. Auch während des 2. Weltkrieges bis zum Jahre 1948 gab es keine Kirbe.
Der Musikverein Feuerbach bereichert seit 1964 die Kirbe mit der Aufstellung und der Bewirtschaftung eines großen Festzeltes. Das Zelt war zu Beginn auf dem Platz in der Verlängerung der Festhalle aufgestellt. Zur musikalischen Unterhaltung spielen bis heute der Musikverein und befreundete Kapellen. Außer dem Vergnügungspark gehört heute immer noch ein Krämermarkt, der in den Straßen rund um den Festplatz ist. Er ist der größte Kirbemarkt aller Stuttgarter Stadtteile, mit Ausnahme des Cannstatter Volksfestes.
Seit 1997 haben auch die Geschäfte aus Anlaß der Kirbe wieder sonntags in der Zeit zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. Dies war ihnen seit den 50er Jahren nach dem Ladenschlußzeitgesetz untersagt gewesen. Der letzte Höhepunkt war 1998 als der damalige Außenminister Klaus Kinkel den Faßanstich am Kirbemontag im Festzelt vornahm.

Quelle: Stadtarchiv Stuttgart Fotos: Archiv Rieker


Die Fabrik Lünig neben dem damaligen Felsenkeller in der heutigen Tunnelstraße


Der Grab- und Gedenkstein der Opfer der Explosion auf dem Feuerbacher Friedhof an der Außenmauer, Ostseite

Explosion in der Lünig’schen Klischeefabrik in Feuerbach

Es war am 9. Dezember 1916, mitten während des I. Welrkrieges, als sich in der Tunnelstraße in Feuerbach ein furchtbares Brandunglück mit Explosion in der Lünig’schen Klischeebetrieb ereignete. Dieser Betrieb stellte Leucht- und Signalpatronen für den Heeresbedarf mit 31 Personen, meist Minderjährigen, her.
Kurz nach 10 Uhr vormittags erfolgte die Hauptexplosion mit einem furchtbaren Knall, der in großem Umkreis gehört wurde und dessen Luftdruck in der ganzen Umgebung die Fensterscheiben eindrückte. In der Briefordnerfabrik Leitz, die gegenüber, aber durch 2 Straßen und den Tunneleinschnitt getrennt liegt, wurden 1/3 aller Scheiben an der Straßenfront zerstört. Die hiesige Feuerwehr, sowie die Feuerwehr-Bereitschaft der hiesigen Garnison und die Stuttgarter Berufsfeuerwehr, mit Branddirektor Jakoby an der Spitze, waren an den Lösch- und Rettungsarbeiten beteiligt. Durch eine falsche Adresse der Firma beim Melderegister fuhr die Feuerwehr erst in Richtung Killesberg und verlor dadurch wertvolle Zeit. Die Entstehungsursache konnte nicht aufgeklärt werden, auch erfuhr man über die Ursache der Explosion nichts Näheres. Die Verunglückten befanden sich in einem Zustand, der es nur schwer zuließ sie zu idendifizieren. Es waren 11 Personen sofort tot, von den 8 Verletzten ist einer gestorben. Die Zahl der Opfer betrug damit 12 Personen. Von den Toten waren 10 Personen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren.
Die gemeinsame Beerdigung nach einigen Tagen fand unter großer Beteiligung auch der städt. Beamten und des Gemeinderats statt. Es sprachen sämtliche 3 Geistlichen Kallee, Raithelhuber und Walker. Kränze wurden niedergelegt von Stadtschultheiß Geiger namens der Stadt, vom hiesigen Ersatz-Bataillon Res. Inf. Reg. Nr. 119 und von den Altersgenossen. Den Gesang hatten die Vereinigten Gesangvereine Feuerbachs übernommen. Am darauffolgenden Sonntag Abend fand in der Stadtkirche für die Verunglückten ein Trauergottesdienst statt.
König Wilhelm II ließ den Familien der Verunglückten durch den Stadtvorstand seine Teilnahme aussprechen. Auch der Gemeinderat ließ sein Beileid zum Audruck bringen und beschloß den Angehörigen eine Unterstützung zukommen zu lassen. Ferner wurde die Beerdigung auf Kosten der Stadt in einem gemeinsamen Grab übernommen.
Die Stadt Feuerbach nahm die Begräbnisstätte der 12 Opfer in Pflege und hat im Jahr 1920 einen schönen sarkophagähnlichen Grabstein errichtet, der auf beiden Tafeln links und rechts die Namen den Geburtstag und die Heimat der Verunglückten trägt. Auf der Tafel in der Mitte steht: „Den Opfern der Explosion vom 9. Dezember 1916 errichtet von der Stadtgemeinde Feuerbach im Jahr 1920". Dieser Grabstein steht heute noch und zwar am Osteingang des Friedhofs, gleich erster Weg rechts.

Karl Müller

Quelle: Stadtarchiv Stuttgart


Der Autokonvoi beim vorbeifahren in der heutigen Wiener Straße vor dem Rathaus. Das Bild wurde vom Balkon des Gebäudes 85, der aufgenommen.

König Wilhelm II. von Württemberg, und Feuerbach

König Wilhelm II. von Württemberg schätzte Feuerbach und seinen OB Geiger sehr. 1909 anläßlich der neuen Rathauseinweihung wurde Oberbürgermeister Wilhelm Geiger von ihm mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. Zur Gewerbeausstellung 1912 konnte er zwar zur Eröffnung nicht kommen, aber er ließ es sich nicht nehmen die Ausstellung am 16. September zu besuchen, um sich eingehend über das Leistungsprofil der Ausstellenden zu informieren. Als er nach 3 Stunden die Ausstellung wieder verließ, trat ihm die Losverkäuferin entgegen und trug ihm vor, daß er bei der Abnahme eines Loses 4000 Mark gewinnen könne. Lachend gab er Befehl, daß der Frau eine Anzahl Lose abgekauft werden solle.
Als König Wilhelm nach dem 1. Weltkrieg abdanken mußte, zog er sich als Herzog Wilhelm zu Württemberg nach Bebenhausen zurück.
Zur Errichtung eines Kinder-Walderholungsheims stiftete er 1921 der Stadt Feuerbach einen Geländeanteil im Heimbergwald, auf dem das heutige Waldheim der Arbeiterwohlfahrt steht. Auf das Dankschreiben von OB Geiger traf am 16. August 1921 folgende Antwort in Feuerbach ein:

„Geehrter Herr Stadtschuldheiß! Für Ihre freundliche Zuschrift besten Dank! Es ist mir eine aufrichtige Freude gewesen, durch Abtretung eines Geländeteiles im Heimbergwald der Stadtgemeinde Feuerbach gefällig sein zu können, vor allem aber damit Kranken und Erholungsbedürftigen zu nützen. Ich werde nie aufhören, den wärmsten Anteil an dem Wohlergehen und der Entwicklung Feuerbachs zu nehmen, mit dem mich so manche Erinnerungen verbinden. Mit vollkommener Hochachtung

Ihr Wilhelm Herzog zu Württemberg"

Nur wenige Wochen später verstarb der Herzog und weil er verfügt hatte, daß sein Sarg nicht durch Stuttgart geführt werden dürfe, führte sein letzter Weg durch Feuerbach. Am 7. Oktober 1921 morgens um 9 Uhr passierte das Auto mit der sterblichen Hülle des verstorbenen Herzogs, unter den Klängen der Kirchenglocken, Feuerbach. Die Beisetzung fand in Ludwigsburg statt.

Karl Müller

Quelle: Stadtarchiv Stuttgart


Das Gebäude hatte einen Säulengang welcher durch Scherengitter zur Straße hin getrennt war. Diese wurden morgens zurückgeschoben und Passanten konnten die druchfrische Zeitung, geschützt vor Witterungseinflüssen, in Aushangkästen lesen.


Das Gebäude der Feuerbacher Zeitung in der Wiener Straße 85 nach einer Renovierung im Jahre 1972. Heute ist die Druckerei Zielfleisch in diesem Gebäude ansässig.

Feuerbacher Zeitung

Die Feuerbacher Zeitung wurde am 15. November 1874 von der Mittwochsgesellschaft, einer Vereinigung Feuerbacher Honoraten, gegründet. Sie hatte sich im Winter 1874/75 zur Herausgabe einer eigenen Zeitung entschloßen. Gedruckt wurde dieselbe anfänglich in der Druckerei für den Filderboten in Plieningen. Der Satz war derselbe wie beim Filderboten, nur hieß es am Kopf nicht „Filderbote" sondern „Feuerbacher Zeitung". Die Agentur hatte Kaufmann Karl Gabler übernommen. Im Jahr 1880 erwarb Ernst Weber den Verlag der Zeitung mit damals 80 Abonnenten, um sie in eigener, neugegründeten Druckerei, Bachstraße 9, selbst herzustellen. Das neue Unternehmen war noch nicht auf Rosen gebettet. Nach verschiedenen Umzügen erwarb sich der Verlag ein Eigenheim in der Marktstraße 31 (heute Klagenfurter Straße), wo er von 1894-1913 ansäßig war. Bis Frühjahr 1897 war die Feuerbacher Zeitung wöchentlich 3 mal erschienen, vom 1.5.1897 ab erschien sie täglich. Nach dem Tod Ernst Webers, September 1904, führte die Witwe, Frau Paula Weber, zunächst das Geschäft allein weiter. Im Jahr 1909 wurde das Blatt erweitert, die Gasmotoren mußten den Elektromotoren weichen. Ende August 1913 siedelte das Unternehmen dann über in die Bismarkstraße (heute Wiener Straße), wo ein eigenes Gebäude erstellt wurde. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges trat der Sohn Richard Weber, als Teilhaber, ins Geschäft ein. Es wurde eine Rotationsmaschiene angeschafft, die den Druck der Zeitung erledigte.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Bestehens der Feuerbacher Zeitung wurde am 15.11.1924 eine Festzeitung herausgegeben, mit allerlei interessanten und geschäftlichen Rückblicken.

Am 2. Januar 1941 wurde auf Grund von kreiswirtschaftlichen Maßnahmen die Zeitung eingestellt. Nach dem 2. Weltkrieg erschien das Lokalblatt am 11. Juni 1949 erneut unter dem alten Titel, aber unter neuer Aufmachung. Gedruckt wurde nicht mehr in Feuerbach, sondern in Zuffenhausen in Kooperation mit dem Verleger Eugen Heinz. Dieser übernahm bereits ein Jahr später aus wirtschaftlichen Gründen die Feuerbacher Zeitung als Herausgeber. Sie erschien dann unter der Bezeichnung „Nord-Stuttgarter-Rundschau". Am 31. Dezember 1998 wurde auch diese Zeitung eingestellt.

Karl Müller

Quelle: Stadtarchiv Stuttgart

Eugen Geiger

(Aus Beiträgen in der Feuerbacher Zeitung, von 1953/1954)

„Wir haben in der Feuerbacher Zeitung die Verdienste Eugen Geigers schon wiederholt gewürdigt. Alte Feuerbacher werden sich an das von ihm gestaltete Stadtfest erinnern, an seine Wirksamkeit als Vorsitzender des Verschönerungsvereins und der Mittwochs-Gesellschaft, als Kirchengemeinderat und als Leiter der Volkshochschule usw. Als Heimatdichter ist er über die Mauern Feuerbachs hinaus bekannt geworden."

„Eine große Zahl von heimatkundlichen Beiträgen floßen aus seiner Feder und waren ein beredetes Zeugnis seines unermüdlichen Forschergeistes und seiner Liebe zu der zu seiner zweiten Heimat gewordene Stadt Feuerbach. Er stand im Mittelpunkt des kulturellen Lebens Feuerbachs. Er hat der Stadt immer die besten Dienste geleistet und man erinnert sich an die Stadtfeier, was wäre diese gewesen ohne seine bewundernswerten dichterischen Leistungen! „Wir Feuerbacher sind auf seine Dichterkunst recht stolz und wir dürfen ihn mit Recht unseren Heimatdichter nennen" - sagte der damalige Oberbürgermeister Geiger bei seiner Ansprache bei der Abschiedsfeier. Das Schönste, was er seinen Feuerbachern hinterlassen hat, ist ohne Zweifel das Heimatbüchlein ,Was in Feuerbach die Amseln pfeifen', das, kaum herausgegeben, in kürzester Zeit vergriffen war. Weitere Beiträge sind: ,In der Leute Mund', Aus Schneider Bohns 7 Schubladen', ,Spielzeug am Wegrand', ,Nelken für Dich' und die dramatische Dichtung ,Gudruns Befreiung'."

„Über 40 Jahre wirkte Studiendirektor Geiger zuerst an der Knaben-Realschule und dann an der durch seine Initiative gegründeten Mädchen-Realschule Feuerbach. Mit recht bezeichnete der damalige Oberbürgermeister von Feuerbach Wilhelm Geiger, bei dem am 21. März 1932 zu Ehren des verdienten Schulmannes veranstalteten Abschiedsabend, Studiendirektor Eugen Geiger, als den Vater und Gründer der Mädchen-Realschule Feuerbach'."